Kleidung
Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich die Kleidung vielfältig. Früher nicht so schnell wie in den letzten 50 Jahren, aber schon im Mittelalter - von verschiedensten Strömungen geprägt - entstanden verschiedenste Formen. Aber wie die Formen kommen und ihre Nachahmer finden, ebenso schnell verschwinden sie auch wieder, um neuen Formen Platz zu machen. So entsteht zum ersten Male in dieser Zeit, es läßt sich die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts festsetzen, dasjenige, was wir heute mit dem Begriff der Mode verbinden. Aber sehr lange dient die "normale" Kleidung als Reitkleidung.
Jäger und Jägerin, Anfang des 14. Jhdt
In der Zeit englisch-französischen Kriege büßten Frankreichs Ritterschaft ihren Ruhm und Glanz und die französische Mode die junge Herrschaft ein. Frankreich überließ die Angelegenheit der Mode einem anderen Staate - Burgund. Es gab damals kein blühenderes, reicheres Land. Hier blühte der Handel, die Industrie und die Kunst im Wetteifer mit Italien. Hier war damals eine der Geburtsstätten der modernen Kunst - nächst Italien. Hier gab es feinste Leinengewebe, Fabriken von Seiden- und Samtstoffen und dem kostbarsten Goldbrokat.
Vornehme burgundische Trachten, 15. Jhdt (2. Hälfte)
Bedeutsam im 16. Jhdt ist, daß Katharina von Medici den seitlichen Damenreitsitz veränderte und die Füße nicht mehr auf ein Brettchen stellte, sondern das rechte Bein über ein Sattelhorn schlug. Wegen des flatternden Rockes führte sie knielange, samtene oder wildlederne Unterhosen ein.
Den Edelfrauen, besonders im 17. Jhdt, diente das Reiten als fürstliche Zurschaustellung im höfischen Gewand der Zeit.
Erst im 18. Jhdt wurde Reiten eine Art Zeitvertreib. Daher kam für die Damen eine eigene Reitkleidung (=Amazonenkleid) auf. Das war die erste Sportkleidung, eine den Richtlinien der Mode folgende Zweckkleidung.
Kleidung (1795)
Das untere Bild zeigt eine Dame Anfang des 19. Jhdt in ihrem Reitkostüm. Fallenden Schultern und einer langen, schmallen Taille sind typisch für diese Zeit. An der Halslinie ist ein Stehkragen zu sehen. Sie trägt unter dem Rock lange Breeches und Stiefeln.
eine Dame im Reitkostüm (1831)
Im 19. Jhdt trug die Frau nach 1830 eine anliegende, weiße Lingeriebluse oder ein Tuchtaille (Jacke) mit kleinen Frackschößen und modischen Ärmeln, darunter stets ein Korsett. Der Rock entsprach bis Anfang des 20. Jhdts der Zeitmode mit wenigen, den Erfordernissen entsprechenden Vereinfachungen, teilweise auch mit Schleppe.
Nach 1850 bis Anfang des 20. Jhdts trug die Frau den Reitrock, der auf der linken Seite bis zu den Sporen reichte, rechts aber wesentlich länger war und zum Gehen auf gleiche Länge hochgeknöpft wurde, darunter ein langes Beinkleid mit Steg oder eine Kniehose mit Gamaschen. Dazu eine im Stil des Herrenhemdes gehaltene Bluse mit Plastron oder Krawatte und Zylinder mit Schleier sowie Schnürstiefletten mit niedrigem Absatz. Die Reitkleidung der Frau beeinflußte das Aufkommen des Kostüms.
Das untere Bild zeigt verschiedenste Teile eines Reitkostümes aus
dem Jahre 1888. Drei verschiedene Arten des Reitkleides wurden von
den Modeschneidern für eine Dame dieser Zeit angefertigt. Diese Reitkleider
wurden entweder im Park oder für die Jagd oder die einfachen Schnitte
in den heißen Sommermonaten getragen.
Dieser englische Stil ist sehr wohl auch in anderen europäischen
Länder der damaligen Zeit zu finden - mit geringen Unterschieden.
Der Rock ist eher "kurz", das Jäckchen extrem eng und die Hosen
sind lang genug um unter dem Fuß befestigt werden zu können,
oder die Dame trug kurze Breeches bis zum Knie reichend in Verwendung mit
hohen Stiefeln.
englischer Reitrock
Innenansicht der Reitjacke
Reithandschuhe
Anstecknadeln für die Reiterin im Damensattel
Damenreitstiefel (1888)
Die folgende Beschreibung und das untere Bild stammen aus einer Modezeitschrift
aus dem Jahre 1898:
Reitkleid aus grauem Kammgarn. Der Rock wird innen entsprechend
mit Leder besetzt. Die Jackentaille hat doppelte Vorderbahnen, deren untere
aus Pique oder Tuch mit Knöpfen schließen. die oberen verbinden
sich, wie die Abbildung angibt, nur am oberen Theile mit drei Goldknöpfen
und sind nach rückwärts geschweißt, so daß sie im
Schlusse lose aufliegen. Die Rückentheile haben Schlitzleisten am
Schöschen. Seidenfutter, Reverskragen, Stehkrangen und Knotencravate.
Reitkleid aus taubengrauem Kasmire mit Gilet (Herbst
1898)
Aber auch eine Besonderheit gab es für fürstliche Damen in
Deutschland (in Österreich nicht!). Manche von Ihnen trugen die Uniform
und Ausrüstung der Offiziere der betreffenden Truppe, dazu sämtliche
- auch die allerhöchsten Standes - Gradabzeichen eines Obersten..
Geritten wurde stets im Damensattel. Der Reitrock entsprach farblich
der Offizierhose, war ohne Biesen, nur bei Husaren jederseits mit der Silbertresse
besetzt, ebenso die Paradedecke. Dies fehlte den Offizieren der Linien-
Regimenter. Kopfbedeckung: statt des Helms, ein Hut altpreußischer
Form. Eine Waffe legte man nicht an. Reitpeitsche war erlaubt. Insgesamt
waren 21 Damen Chefs dt. Truppenteile.
Der Sitz im Damensattel ist elegant und wird von jedermann bewundert.
Eine Dame im Damensattel ist auch heute noch eine "königliche Erscheinung".
Uniform der königliche Hoheit Herzogin Viktoria
Luise von Braunschweig und Lüneburg
Prinzessin von Preußen (um 1912)
Anfang des 20. Jhdt trug die Frau noch einen langen Rock, bald darauf einen langen, weiten Hosenrock (Rockbeinkleid genannt), der 1909 als "Safety habit" in London aufgekommen war oder einen in der Mitte vorne oder hinten bis über die Knie zuknöpfbaren Rock. Diese Entwicklung war nicht ohne Einfluß auf die Hose für die Frau. Zur klassischen, bis in die 1930er Jahre getragenen Reitkleidung gehörte ein links etwas kürzerer, geschlitzter Rock. Unter all diesen Rockformen wurden Kniehose und Stiefel getragen, dazu eine lange Schoßjacke in Herrenfasson mit modischen Ärmelformen.
Amazonenkleid - um 1921
Dies war eine kleine kurze Zusammenfassung auf einem weitem Gebiet der
Reitmode.
In der heutigen Zeit sollte und wird vorallem auf Sicherheit wert gelegt
= Sicherheitsrock.