Geschichtliche Entwicklung

Zum Transport, auch heute noch in den südlichen Ländern auf Eseln, läßt sich die Landbevölkerung seitwärts tragen. Es werden nur Tätigkeiten für den Richtungswechsel bzw. für das Antreiben vorgenommen. (siehe Arten)

Wenn auch nicht in der heutigen Form, so gibt es die Damensättel doch schon lange. Im 12. Jahrhundert kann man praktisch nur vom Sattelkissen sprechen. Während der Kavalier die Zügel führte, saß die Dame seitlich auf dem Pferd und hatte die Füße auf einer kleinen Plattform abgestützt.

Die Ritterschaft des Mittelalters schuf sich ein Ideal - die Frau in der Rolle als passives, hilfloses Wesen, das man beschützen und erobern muß. Dieser Trend verstärkte sich, als der Ritter auf dem Schlachtfeld seine Bedeutung verlor. So wurden Turniere veranstaltet. Der Mann konnte seine Ritterlichkeit bei Hofe beweisen. Aber was machte man bei Jagden, die Zuschauerinnen mußten hin transportiert werden. Die Damen entwickelten auch einen Jagdeifer. So waren es die Jagdreiterinnen, die über die Jahrhunderte zur Weiterentwicklung beitrugen.

Lady Conways spanisch gezogenes Reitpferd, Gemälde von Wootton

Lady Conways spanisch gezogenes Reitpferd, Gemälde von Wootton

Durch die Drehung des Oberkörpers nach vorne, wurde es den Damen möglich, das Pferd neben dem Manne ebenbürtig zu führen. Anna von Böhmen soll um 1382 die erste gewesen sein, nur den linken Fuß auf die Planchette zu setzen um den Oberkörper zu drehen. Aber dieser Sitz war weit davon entfernt, sicher zu sein. Daher wurde am Sattel vorne ein Sattelhorn angebracht.

In Frankreich wurde um 1580 zur Zeit Katharina de Medici - eine enthusiastische Reiterin, das zweite Horn eingeführt. Es befand sich wie das erste Horn oben auf dem Sattel . Sie  legte Ihr rechtes Bein über den Knauf an der Seitenlehne, der zum Anhalten diente und hatte einen sicheren Sitz als bisher üblich. Sie revolutionierte den Damensattel.

Das Reiten im Damensattel wurde zum Freizeitvergnügen der Damen der Oberschicht. Francois de Garsault (1770) und Federigo Mazzuchelli (1803) schrieben die ersten Bücher über das Reiten im Seitsitz.

Über zwei Jhdt. blieb der Damensattel unverändert. Rittmeister Charles Pellier wird als Erfinder des schraubbaren Horns (1830) geführt. Das untere Horn legt sich über den linken Oberschenkel und sorgte für einen festen Sitz in allen Situationen. Ab diesem Zeitpunkt ritten die Damen der Oberklasse ausschließlich im Damensattel (= viktorianische Zeit) (siehe Beschreibung)

Theoretisch konnten die Frauen auf diesen neuen Sätteln mit den drei Hörnern auch galoppieren und springen, allerdings geziemte es sich wohl kaum für eine adlige Dame, wie eine Furie im Gelände herumzusprengen. Erst die als begeisterte Amazone bekannte Kaiserin Sisi machte das Jagdreiten auch für Frauen populär. Viele Frauen taten es ihr nach, wobei sich herausstellte, daß auch die neuen Sättel nicht ganz gefahrlos waren. Das zweite obere Horn war nutzlos und wurde entfernt. Durch den Balanceriemen, dieser verläuft bei den modernen Damensättel von der vorderen linken Sattelseite aus nach hinten oder ist am Bauchgurt angenäht, und durch die sogenannten Steigbügel mit Sicherheitsschloß wurden die Damensättel sicher.

Kaiserin Elisabeth von Österreich

Kaiserin Elisabeth von Österreich

Mitte des 19. Jhdt. erwachte das Volk und kämpfte für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, d. h. die Bürgerlichen kommen zu Wohlstand und konnten sich Freizeitpferde halten. Es entstanden Reitschulen. Man promenierte, ritt bei Hubertusjagden mit, hält in Reitschulen Reitvorführungen ab = Vorreiter der heutigen Turnierreiterei.

The Riding School von Edmond Grandjean

The Riding School von Edmond Grandjean

Aber ab diesem Zeitpunkt drängten immer mehr Frauen zum Herrensattel, um ihren Kavalieren nicht nachzustehen. Der Reitsport ist heute einer der wenigen Sportarten, wo Damen und Herren sich gleichberechtigt messen können.

In der heutigen Zeit wird in England sehr viel im Damensattel geritten - gefördert durch Königin Elisabeth II. In den Niederlande, Frankreich, Schweden und Deutschland gibt es bereits eigene Vereine, von den USA und Großbritannien nicht zu reden. (siehe Adressen..)